Schulsozialarbeit

Konzept der Schulsozialarbeit und Pädagogischen Insel

  
  

Stand: 07-2013

Ausgangslage

Die Schulsozialarbeit in Verbindung mit unserer Pädagogischen Insel und der Offenen Ganztagsschule hat sich im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Baustein in dem Erziehungsauftrag unserer Schule entwickelt. Die Kinder benötigen in der heutigen Zeit häufig einmal mehr Aufmerksamkeit und Hilfe. Die gesellschaftlichen Probleme und Erscheinungen wie Vernachlässigung, Kinderarmut, Gewalt in der Familie, steigende Zahlen von Heim- und Pflegekindern, Kinder aus alleinerziehenden Familien, Patchwork-Familien, Berufstätigkeit  beider Eltern, Gewalt und Mobbing, übersteigerter Ehrgeiz der Eltern, Krankheiten durch Umwelteinflüsse, psychische Erkrankung von Elternteilen oder Kindern, Reizüberflutung, Medienverwahrlosung, Medienmissbrauch, ADHS/ADS, aber auch Drogenkonsum beeinflussen  immer häufiger den Alltag in der Schule, sowie die Lernvoraussetzungen.

 

Aus der Entwicklung heraus sind die Schulsozialarbeit, Prävention und die Pädagogische Insel an der TSS Hohn eng miteinander verzahnt und es wird seit längerem ressourcengebündelt gearbeitet.

 

Bei uns liegen die Organisation und Betreuung der OGS, der Pädagogische Insel und die Schulsozialarbeit  in einer Hand. Dies vereinfacht den Informationsfluss und schafft kurze Wege. Der größte Teil der Kinder, die Hilfe und Aufmerksamkeit benötigen, sind auch in der Offenen Ganztagsschule angemeldet. Durch die Kontinuität profitieren Kinder, Eltern und Schule gleichermaßen.

 

Die Pädagogische Insel ist bereits seit 2003 Einrichtung an der TSS. Seit 2009 ist sie täglich von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr mit einer Staatlich Anerkannten Heilerzieherin (ggf. unterstützt durch Praktikanten) besetzt. Die Betreuung am Dienstag, Mittwoch und Donnertag reicht sogar bis 15:30 Uhr.

 

Durch die Insel ist die Möglichkeit gegeben, Probleme zu lösen, ohne den Schulalltag in der Klasse langfristig zu unterbrechen. Wir nutzen die Insel als Schaltstelle in Zusammenarbeit mit Schulleitung, Lehrern, Eltern, Erziehungsberechtigten, Polizei, schulpsychologischem Dienst, Jugend- und Sozialdienst des Kreises und anderen Beratungsstellen.

 

Unsere Pädagogische Insel ist kein Abschiebe- oder Aufbewahrungsstätte sondern ein Ort zur Förderung von verantwortungsvollem Handel für sich selbst und den Mitschülern sowie zum Reflektieren des eigenen Verhaltens mit dem Erkennen der dazugehörigen Konsequenzen. Hier werden bestehende gesellschaftliche Werte vermittelt, Sozialkompetenzen können erlernt werden, das Erlangen von Sicherheiten  und Selbstvertrauen werden unterstützt.

 

Schulsozialarbeit und Pädagogische Insel

 

Schulsozialarbeit hat sich flächendeckend in Schleswig-Holstein erst sehr viel später etabliert als an der TSS Hohn. Dies begründet sich mit dem seit längerem großen Unterstützungsbedarf durch eine erhebliche Anzahl verhaltensauffälliger Schülerinnen und Schüler (u.a. nahezu 10% Heim- und Pflegekinder), auf die der Schulträger ohne eine Verpflichtung frühzeitig mit der Schaffung einer Stelle zur Betreuung einer Pädagogischen Insel reagierte. Eine Rahmenkonzeption für Schulsozialarbeit im Kreis Rendsburg-Eckernförde gibt es erst seit kurzem. Dennoch  finden sich die dort formulierten Prinzipien, Ziele und Arbeitsbereiche in unserer Arbeit wieder. 

 

Gründe für den Besuch in der Pädagogischen Insel

Alle Schüler haben ein Recht auf störungsfreies Lernen. Kinder und Jugendliche, die sich im Schulalltag nicht an bestehende Regeln halten können oder wollen, brauchen Auszeiten.  Diese Schülerinnen und Schüler gehen dann in die Insel, damit der Unterricht, aber auch der allgemeine Schultagesablauf für alle Beteiligten möglichst stressfrei fortgeführt werde kann.

 

Einige Gründe können sein:

  • Ignorieren von Anweisungen des Lehrers
  • unpassende Bemerkungen in den Raum rufen
  • Gewaltanwendung
  • im Unterricht essen und trinken
  • ununterbrochen reden
  • Mitschüler ärgern
  • ständige Unterrichtsverspätung
  • Arbeitsverweigerung


Kinder und Jugendliche, die wegen ihrer persönlichen Probleme oder aktueller Vorkommnisse in der Schule nicht mehr am Unterricht teilnehmen können, werden kurzfristig zur Beruhigung und Klärung durch Lehrkräfte in die Insel geschickt oder kommen selbständig. Akute Probleme sind weder in quantitativer noch in qualitativer Weise vorhersehbar.  Die Probleme werden sofort besprochen. Wichtig ist hier, ein reflektierendes Gespräch zwischen Lehrern, pädagogischer Fachkraft, Schülern, Streitschlichtern und fast immer unter Einbezug der Eltern/Erziehungsberechtigten, um die Basis für erfolgreiches Lernen sowie ein gutes soziales Miteinander zu stärken.

 

Auch bei Sorgen und Nöten ist die Pädagogische Insel Anlaufstelle. Dies können sein:

  • Probleme innerhalb der Familien durch Trennung der Eltern
  • Heimaufenthalt
  • Drogen und Alkoholmissbrauch
  • Streit im Umgang mit Freunden
  • Gewalt unter den Schülerinnen und Schülern
  • häusliche Gewalt
  • Ritzen
  • Mobbing im Internet oder über andere Medien
  • finanzielle Sorgen
  • Mobbing im Schulalltag
  • Sexuelle Übergriffe
  • kleinere Schulalltagsorgen (Meinungsverschiedenheiten oder mal eine schlechte Note)

 

Die Pädagogische Insel wird auch für andere Zwecke genutzt:

  • Kinder, die krank sind, finden Ruhe
  • Kinder, die traurig oder gereizt sind oder ein anders geartetes Problem haben, finden einen Zufluchtsort
  • wenn Hausaufgaben nicht erledigt wurden, kann die Insel zum Nachholen in Anspruch genommen werden
  • Nachschreiben einer Klassenarbeit
  • Streitereien in den Pausen aus dem Weg gehen
  • Für Kleingruppenarbeiten mit und ohne Lehrkraft

 

Organisatorischer Ablauf

Die Schülerinnen und Schüler werden durch die Lehrkraft geschickt oder gebracht, sie kommen selbständig, werden durch einen verlässlichen Schüler begleitet oder die Heilerzieherin wird durch einen verlässlichen Schüler geholt, um dann zu helfen. Es gibt einen Zuweisungsbogen, den die Betroffenen oder die Lehrkraft mitbringen. Die Information kann für die Reflexion genutzt werden.

Alle Schüler, die den Unterricht verlassen müssen, bringen ihr Arbeitsmaterial mit. In den Räumen der Insel können sie erst einmal zur Ruhe kommen. Jeder Schüler füllt einen Reflexionsbogen aus, der dann besprochen wird. Zielsetzung des Gespräches ist neben Vertrauensaufbau die Anbahnung einer Verhaltensänderung, damit ein zukünftiger Ausschluss aus dem Unterricht verhindert werden kann. Hierbei gibt es keine einheitliche Vorgehensweise. Der Weg ist immer individuell.

Die Schülerinnen und Schüler bleiben bis zum Ende der Stunde. Nach der Reflexion arbeiten sie bis zum Klingeln an ihrem mitgebrachten Arbeitsmaterial. Wenn mit der Lehrkraft nichts anderes besprochen wurde, und es keine Gewaltanwendung im Vorwege gegeben hat, können die Kinder den Schulalltag mit ihren Mitschülern zu Ende bringen. In der Pause suchen Lehrkraft und Heilerzieherin, manchmal auch unter Einbezug der Schulleitung, das Gespräch zum Austausch wichtiger Information für evtl. weitere Maßnahmen.

 

Alle Besuche werden vermerkt. Bei bis zu 5 Aufenthalten in der Einrichtung in kurzer Abfolge, werden die Eltern/Erziehungsberechtigten in Form eines Vordrucks durch die Klassenleitung über den Postweg informiert. Die Eltern haben jederzeit die Möglichkeit zu einem Gespräch mit den Lehrkräften und/oder der Heilerzieherin. Sollte sich das Verhalten nicht ändern, folgen dann auch Ordnungsmaßnahmen wie Missbilligungen, Verweis, etc.

 

Beratungsgespräche

Ein weiterer Baustein in der Arbeit der Insel sind die Beratungsgespräche. Beratungsgespräche werden von den Lehrkräften, Eltern/Erziehungsberechtigten aber auch von den Schülern in Anspruch genommen. Die Gespräche können kurzfristig, aber auch nach Absprache geführt werden.

Die pädagogische Fachkraft macht sich dann mit Hilfe der Lehrkräfte über einen längeren Zeitraum ein Gesamtbild unter Berücksichtigung aller Beteiligten. Danach gibt es eine individuelle, lösungsorientierte Beratung.

 

Themen:

  • Lernstörungen
  • Schulängste
  • Aggressionen
  • Trennungen
  • Patchwork
  • Traurigkeiten
  • anstehenden Operationen
  • Mobbing
  • Alkohol und andere Drogen
  • Ärger auf dem Schulweg (zu Fuß oder im Bus)

 

Unsere Insel ist eine Einrichtung, die den Schulalltag für alle Beteiligten helfend unterstützt. Sie wird von der Grundschule genauso wie von der Sekundarstufe in Anspruch genommen.

 

Schulsozialarbeit in der Grundschule                                                   Erweiterung 7-2013

Die bisherige Schulsozialarbeit an der Theodor-Storm-Schule Hohn war nicht spezielle auf einzelne Schul- oder Jahrgangsstufen ausgerichtet und umfasste die vorher beschriebenen Aspekte, Maßnahmen und Abläufe. Genau betrachtet gibt es Schulsozialarbeit, speziell für die Eingangsphase der Grundschule schon seit Einrichtung eines Schulkindergartens. Die dafür zuständigen Erzieherinnen übernahmen neben der individuellen Verbesserung der Lernvoraussetzungen zur erfolgreichen Mitarbeit in der 1. Klasse auch bereits Aufgaben, die in der heutigen Zeit die Schulsozialarbeit abdeckt. So gehörten intensive Elternarbeit, Zusammenarbeit mit den Kitas und z.B. Verhaltenstraining mit einzelnen Kindern oder Kleingruppen zu den Aufgaben. Nach Auflösung der Schulkindergärten übernahm der Schulträger als freiwillige Leistung eine Erzieherin, die nunmehr in der Eingangsphase bei Schülerinnen und Schülern mit besonderem erzieherischen Unterstützungsbedarf inklusiv tätig ist. Neben der Förderung einzelner sowie der Arbeit mit Kleingruppen, um Lerndefizite zu beheben, umfasste die Arbeit ab dem Schuljahr 2005/06 weiterhin auch ein Verhaltenstraining, Kontakt zu Eltern und die enge Zusammenarbeit mit den Kitas.

Beteiligte

An der Schulsozialarbeit in der Grundschule sind neben den Lehrkräften die genannte Erzieherin, die Lehrkraft des Förderzentrums, die Beauftragte für die Zusammenarbeit mit den Kitas und die Verantwortliche für die Organisation der OGS bzw. die Betreuung der Pädagogischen Insel beteiligt. Sie wirken in einem Netzwerk zusammen. Die Aufgabenbereiche der beteiligten Personen ergeben sich aus der jeweiligen Funktion. Verantwortlich für die Kommunikation und die Umsetzung von Maßnahmen ist die jeweilige Klassenleitung. Die Gesamtverantwortung obliegt der Koordinatorin für Grundschulangelegenheiten.

Arbeitsschwerpunkte

Im Einzelnen sind folgende Schwerpunkte vorgesehen:

a. Förderung inklusiver Arbeit im Übergang Kita-Grundschule (vergl. Kooperationskonzept mit den Kitas)

b. Förderung inklusiver Arbeit in der Eingangsphase der Grundschule

 

Adressaten

Die Schulsozialarbeit soll sich aus der Erfahrung und Bedarfsanalyse heraus weitestgehend auf die Arbeit mit einzelnen Schülerinnen und Schülern oder Kleingruppen beziehen, kann aber, falls erforderlich, auf die Arbeit mit der ganzen Lerngruppe ausgeweitet werden.

Vereinbarte Abläufe

  • Fachlehrkräfte oder Klassenlehrkräfte beschreiben ein Problem (u.a. auffälliges Verhalten, Unterrichtsstörung, Kommunikationsproblem, …)
  • Einbinden der Erzieherin (ggf. Teilnahme am Unterricht)
  • zusätzliche Hilfe aus dem Netzwerk (u.a. Pädagogische Insel)
  • Besprechen und Festlegen von Maßnahmen; ggf. Einbinden von Fachleuten (z.B. Schulpsychologin, öffentliche Jugendhilfe, Behörden, …)
  • Erzieherin arbeitet mit einzelnen Schülerinnen und Schüler oder Kleingruppen
  • Erzieherin koordiniert die weiteren Hilfsmaßnahmen im Netzwerk
  • Klassenlehrkraft und Erzieherin führen die erforderlichen Gespräche; ggf. unterstützt durch Mitglieder des Netzwerkes
  • Klassenlehrkraft und Erzieherin informieren die Koordinatorin für Grundschulangelegenheiten bzw. Schulleitung bei Bedarf, mindestens einmal im Monat

 

Dokumentation

Die Dokumentation der Maßnahmen, Gespräche und Entwicklungen erfolgt in einer gesonderten Akte, die von der Erzieherin (für alle Beteiligten zugänglich) verantwortlich geführt wird. Wichtige Aspekte werden in die jeweiligen Schülerakte aufgenommen.

Einbindung von Eltern und Erziehungsberechtigten

Eltern und Erziehungsberechtigte werden frühzeitig (sobald erste Schritte erfolgen) informiert und wenn möglich in die Arbeit bzw. die Maßnahmen mit eingebunden.